{"id":464,"date":"2016-02-20T16:27:01","date_gmt":"2016-02-20T15:27:01","guid":{"rendered":"http:\/\/problogs.de\/Christinas_Blog\/?p=464"},"modified":"2016-02-20T16:27:01","modified_gmt":"2016-02-20T15:27:01","slug":"schlechte-nachrichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/problogs.de\/Christinas_Blog\/?p=464","title":{"rendered":"Schlechte Nachrichten"},"content":{"rendered":"<p>Ein auf und ab der Gef\u00fchle. Wie soll ich alles das was mir gerade durch den Kopf geht ganz kurz und sachlich erkl\u00e4ren? Gar nicht\u2026ihr bekommt die Gef\u00fchle dazu\u2026<\/p>\n<p>Mein Leben wurde soeben (vor ca. einer Woche) wieder v\u00f6llig auf den Kopf gestellt und mir wurde erneut der Boden unter den F\u00fc\u00dfen entrissen. Ich habe erfahren, dass ich nun so schnell wie m\u00f6glich eine Knochenmarkstransplantation machen lassen sollte. Ich bin kein Notfall, aber es w\u00e4re das Beste f\u00fcr mich, wenn es zeitnah eine Transplantation geben w\u00fcrde. Was macht man, wenn man da ganz alleine vor den \u00c4rzten sitzt und eigentlich nur mit einem Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch, f\u00fcr den eventuellen Fall einer Knochenmarkstransplantation gerechnet hat? Ich war der festen \u00dcberzeugung bis Ende September warten zu k\u00f6nnen und habe geglaubt, dass ich meinem Knochenmark bis dahin noch die Chance geben kann, sich von alleine zu erholen. Ich habe einfach strickt an der naiven Sichtweise festgehalten, dass sich das Knochenmark von alleine wieder erholen wird und ich eine Transplantation nicht brauchen werde. Und nun sa\u00df ich da alleine vor den \u00c4rzten und der Boden unter mir begann zu br\u00f6ckeln.<\/p>\n<p>Die \u00c4rzte aus dem Knochenmarkstransplantationszentrum (KMT) glauben nicht mehr daran, dass sich mein Knochenmark jemals wieder von alleine erholen wird. Sie sagen auch, dass das keiner wei\u00df, aber die Aussichten seien schlecht. Sie wollen meinem Knochenmark keine Zeit mehr geben sich von alleine zu erholen, da ich damit ein Risiko f\u00fcr meine Gesundheit eingehe. Die gute Ausgangsposition, die ich gerade f\u00fcr eine Knochenmarkstransplantation habe, k\u00f6nnte sich im Laufe der Wartezeit verschlechtern. Sie sagen, dass ich mittlerweile so viele Pr\u00e4parate (Blutkonserven und Thrombozyten) bekomme, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich Antik\u00f6rper entwickeln werde steigt. Die Antik\u00f6rper wiederum sind aber schlecht im Falle einer Transplantation. Wenn ich also warte, riskiere ich einen schlechteren Ausgangspunkt f\u00fcr eine Transplantation, da sich Antik\u00f6rper bilden k\u00f6nnten. Zum zweiten habe ich nun erfahren, dass das R\u00fcckfallrisiko, in den ersten 1-2 Jahren, bei meiner Leuk\u00e4mieform bei 30% liegt. Bei mir ist dieses Risiko jedoch nochmal erh\u00f6ht dadurch, dass ich die ganze Zeit keine Erhaltungstherapie bekommen konnte. Ich hatte mich eher immer gefreut, dass das einzig Gute an den niedrigen Werten der Ausfall der Erhaltungstherapie ist. Nein weit gefehlt. Der oberste Professor der Knochenmarkstransplantation ist der Meinung, dass mein R\u00fcckfallrisiko dadurch um einiges ansteigt. Es bestehe ein zu gro\u00dfes Risiko, dass die Leuk\u00e4mie zur\u00fcck kommt, wenn ich mit der Transplantation weiter warte. Es gibt dar\u00fcber nat\u00fcrlich keine Studien. Ich bin ein besonderer Fall. Zum einen ist meine Leuk\u00e4mieform sehr selten bei Erwachsenen und zum anderen kommt es sowieso sehr selten vor, dass das Knochenmark eine solche Sch\u00e4digung davon tr\u00e4gt. Man kann mir also nur auf der Basis von Erfahrungen und allgemeinen Studienergebnissen Empfehlungen geben. Und die Empfehlung des Professors ist, dass ich so schnell wie m\u00f6glich eine Knochenmarkstransplantation machen lassen sollte, da ich sonst meine gute Ausgangsposition gef\u00e4hrde (aktuell bin ich gesund, meine Schwester ist gesund und steht zur Verf\u00fcgung, ich habe noch kaum Antik\u00f6rper entwickelt und hatte bisher keinen R\u00fcckfall). Er sagt, dass er nicht wei\u00df ob der Krebs zur\u00fcck kommt oder ob ich Antik\u00f6rper bilden werde, aber wenn, dann ist es zu sp\u00e4t (nicht wirklich, aber alles ist dann viel risikoreicher).<\/p>\n<p>Das letzte Wochenende war sehr hart f\u00fcr mich. Die Frage kreist um das Warum. Jeder wei\u00df, dass es eine aussichtlose und sinnlose Frage ist, aber sie ist da. Das Gef\u00fchl dieser unfassbaren Ungerechtigkeit steigt in mir auf. Da besiege ich den Krebs, meistere alles relativ souver\u00e4n, steige unter erschwerten Bedingungen (niedrige Werte, Krankenhaustage) wieder in mein Leben und meine Ausbildung ein und nun das? Echt jetzt? Fassungslosigkeit! Ich bin Hilflos und fremdbestimmt. Habe ich eine Wahl? Nicht wirklich!<\/p>\n<p>Ich habe in der letzten Woche viel geplant, viel nachgedacht und viele Gespr\u00e4che gef\u00fchrt (\u00c4rzte, Ausbildung etc.) Ich bin in den Planungsmodus \u00fcbergegangen und wahre den Abstand zu den ganz tiefliegenden Gef\u00fchlen. Es ist wohl besser, immer nur dosiert, so viel wie ich vertrage.<\/p>\n<p>Die Zeit wird hart. Es ist die effektivste aber auch die gef\u00e4hrlichste Behandlung. F\u00fcr den K\u00f6rper und die Psyche ist es eine harte Aufgabe. Ich habe Angst vor der Zeit. Ich bin traurig und w\u00fctend, dass ich da durch muss. Ich bin traurig, dass ich wieder alles unterbrechen muss, noch einmal wieder anfangen muss. Ich bin hilflos, da ich nichts daran \u00e4ndern kann. Aber ich bleibe weiterhin stark und wei\u00df, dass ich das meistern werde und dass ich danach wieder durchstarte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein auf und ab der Gef\u00fchle. Wie soll ich alles das was mir gerade durch den Kopf geht ganz kurz und sachlich erkl\u00e4ren? Gar nicht\u2026ihr bekommt die Gef\u00fchle dazu\u2026 Mein Leben wurde soeben (vor ca. einer Woche) wieder v\u00f6llig auf den Kopf gestellt und mir wurde erneut der Boden unter den F\u00fc\u00dfen entrissen. 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