Schlechte Nachrichten

Ein auf und ab der Gefühle. Wie soll ich alles das was mir gerade durch den Kopf geht ganz kurz und sachlich erklären? Gar nicht…ihr bekommt die Gefühle dazu…

Mein Leben wurde soeben (vor ca. einer Woche) wieder völlig auf den Kopf gestellt und mir wurde erneut der Boden unter den Füßen entrissen. Ich habe erfahren, dass ich nun so schnell wie möglich eine Knochenmarkstransplantation machen lassen sollte. Ich bin kein Notfall, aber es wäre das Beste für mich, wenn es zeitnah eine Transplantation geben würde. Was macht man, wenn man da ganz alleine vor den Ärzten sitzt und eigentlich nur mit einem Aufklärungsgespräch, für den eventuellen Fall einer Knochenmarkstransplantation gerechnet hat? Ich war der festen Überzeugung bis Ende September warten zu können und habe geglaubt, dass ich meinem Knochenmark bis dahin noch die Chance geben kann, sich von alleine zu erholen. Ich habe einfach strickt an der naiven Sichtweise festgehalten, dass sich das Knochenmark von alleine wieder erholen wird und ich eine Transplantation nicht brauchen werde. Und nun saß ich da alleine vor den Ärzten und der Boden unter mir begann zu bröckeln.

Die Ärzte aus dem Knochenmarkstransplantationszentrum (KMT) glauben nicht mehr daran, dass sich mein Knochenmark jemals wieder von alleine erholen wird. Sie sagen auch, dass das keiner weiß, aber die Aussichten seien schlecht. Sie wollen meinem Knochenmark keine Zeit mehr geben sich von alleine zu erholen, da ich damit ein Risiko für meine Gesundheit eingehe. Die gute Ausgangsposition, die ich gerade für eine Knochenmarkstransplantation habe, könnte sich im Laufe der Wartezeit verschlechtern. Sie sagen, dass ich mittlerweile so viele Präparate (Blutkonserven und Thrombozyten) bekomme, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich Antikörper entwickeln werde steigt. Die Antikörper wiederum sind aber schlecht im Falle einer Transplantation. Wenn ich also warte, riskiere ich einen schlechteren Ausgangspunkt für eine Transplantation, da sich Antikörper bilden könnten. Zum zweiten habe ich nun erfahren, dass das Rückfallrisiko, in den ersten 1-2 Jahren, bei meiner Leukämieform bei 30% liegt. Bei mir ist dieses Risiko jedoch nochmal erhöht dadurch, dass ich die ganze Zeit keine Erhaltungstherapie bekommen konnte. Ich hatte mich eher immer gefreut, dass das einzig Gute an den niedrigen Werten der Ausfall der Erhaltungstherapie ist. Nein weit gefehlt. Der oberste Professor der Knochenmarkstransplantation ist der Meinung, dass mein Rückfallrisiko dadurch um einiges ansteigt. Es bestehe ein zu großes Risiko, dass die Leukämie zurück kommt, wenn ich mit der Transplantation weiter warte. Es gibt darüber natürlich keine Studien. Ich bin ein besonderer Fall. Zum einen ist meine Leukämieform sehr selten bei Erwachsenen und zum anderen kommt es sowieso sehr selten vor, dass das Knochenmark eine solche Schädigung davon trägt. Man kann mir also nur auf der Basis von Erfahrungen und allgemeinen Studienergebnissen Empfehlungen geben. Und die Empfehlung des Professors ist, dass ich so schnell wie möglich eine Knochenmarkstransplantation machen lassen sollte, da ich sonst meine gute Ausgangsposition gefährde (aktuell bin ich gesund, meine Schwester ist gesund und steht zur Verfügung, ich habe noch kaum Antikörper entwickelt und hatte bisher keinen Rückfall). Er sagt, dass er nicht weiß ob der Krebs zurück kommt oder ob ich Antikörper bilden werde, aber wenn, dann ist es zu spät (nicht wirklich, aber alles ist dann viel risikoreicher).

Das letzte Wochenende war sehr hart für mich. Die Frage kreist um das Warum. Jeder weiß, dass es eine aussichtlose und sinnlose Frage ist, aber sie ist da. Das Gefühl dieser unfassbaren Ungerechtigkeit steigt in mir auf. Da besiege ich den Krebs, meistere alles relativ souverän, steige unter erschwerten Bedingungen (niedrige Werte, Krankenhaustage) wieder in mein Leben und meine Ausbildung ein und nun das? Echt jetzt? Fassungslosigkeit! Ich bin Hilflos und fremdbestimmt. Habe ich eine Wahl? Nicht wirklich!

Ich habe in der letzten Woche viel geplant, viel nachgedacht und viele Gespräche geführt (Ärzte, Ausbildung etc.) Ich bin in den Planungsmodus übergegangen und wahre den Abstand zu den ganz tiefliegenden Gefühlen. Es ist wohl besser, immer nur dosiert, so viel wie ich vertrage.

Die Zeit wird hart. Es ist die effektivste aber auch die gefährlichste Behandlung. Für den Körper und die Psyche ist es eine harte Aufgabe. Ich habe Angst vor der Zeit. Ich bin traurig und wütend, dass ich da durch muss. Ich bin traurig, dass ich wieder alles unterbrechen muss, noch einmal wieder anfangen muss. Ich bin hilflos, da ich nichts daran ändern kann. Aber ich bleibe weiterhin stark und weiß, dass ich das meistern werde und dass ich danach wieder durchstarte!

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